Der Begründer der Logotherapie & Existenzanalyse

Viktor E. Frankl

„Es gibt nichts auf der Welt, was dem Menschen so nachdrücklich helfen kann, zu überleben und gesund zu bleiben, wie das Wissen um eine Lebensaufgabe.“ (Viktor E. Frankl)

Viktor Frankl´s Theorie hat einen doch erheblichen Einfluss in meinem (Berufs)Leben. Hier werde ich versuchen Ihnen die sehr komplexe Theorie in kompakter reduzierter Form in Kürze etwas näher zu bringen. Am Ende dieser Seite erhalten Sie noch ein paar Links und Literaturhinweise, die Ihnen die mittlerweile wissenschaftlich hundertfach nachgewiesene Theorie noch etwas ausführlicher näher bringen kann. Bei Fragen dürfen Sie sich gerne jederzeit an mich wenden.

„Der Wille zum Sinn ist ein ausgesprochenes Therapeutikum. Seine Erweckung ist das Einzige, das dem Menschen von heute über das existentielle Vakuum hinwegzuhelfen vermöchte. Der Logotherapie als einer Therapie vom Logos, und das heißt: vom Sinn her, geht es um den personalen und konkreten Lebenssinn, dessen Erfüllung jedem einzelnen abverlangt und aufgetragen ist.“ (Viktor E. Frankl)

Viktor E. Frankl

Der Wille zum Sinn!

Viktor Emil Frankl (1905-1997) ist Begründer der Logotherapie. Die Logotherapie von Viktor E. Frankl (1905-1997) zählt zu den humanistischen Verfahren. Ihr liegt ein ressorchenreiches Menschenbild zu Grunde. Frankl hatte in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts das geistige Potenzial des Menschen als eine unerschöpfliche Kraftquelle erkannt und nach Zugängen gesucht, die seine Vorgänger Sigmund Freud (in der Psychoanalyse, um 1880) und Alfred Adler (in der Individualpsychologie, um 1911) nicht berücksichtigt hatten.

Logotherapie ist die 3. Wiener Schule der Psychotherapie, nach der Psychoanalyse von Sigmund Freud (um 1880) und der Individualpsychologie von Alfred Adler (um 1911). Waren Freud und Adler davon ausgegangen, dass der Mensch aus Körper und Psyche besteht (2-dimensionales Menschenbild), so stellte Frankl die geistigen Fähigkeiten des Menschen als eine dritte und eigenständige Dimension in den Mittelpunkt seiner Therapie. Damit strebt der Mensch vorrangig weder nach Lust (Freud) noch Macht (Adler), sondern nach Sinn (Frankl).

Ich halte die Theorie Frankls für das Beste, was je über Motivation gesagt wurde. Nach meiner Auffassung muss man seine Lehre zumindest kennen, wenn man den Anspruch erheben will, von Motivation etwas zu verstehen. Wie weit man sie dann akzeptieren will, ist eine andere Sache, aber in jedem Falle braucht man starke Argumente, um Frankl abzulehnen.

Die Logotherapie beruht auf einem Konzept von 3 Säulen

Die Logotherapie/Existenzanalyse sieht den Menschen als nicht nur bedingtes, sondern auch als grundsätzlich entscheidungs- und willensfreies Wesen, das befähigt ist, zu inneren (psychischen) und äußeren (biologischen und sozialen) Bedingungen eigenverantwortlich Stellung zu nehmen. Die Freiheit des Menschen ist dabei definiert als der Gestaltungsfreiraum des eigenen Lebens im Rahmen der jeweils gegebenen Möglichkeiten. Diese Freiheit ist begründet in der geistigen Dimension des Menschen, die neben Körper und Psyche seine eigentliche Personalität und Würde ausmacht. Als geistige Person ist der Mensch nicht mehr nur reagierendes oder abreagierendes, sondern auch agierendes, gestaltendes Wesen.

Die Freiheit des Menschen spielt auch in der angewandten Psychotherapie eine entscheidende Rolle, insofern sie dem Patienten Freiräume gegenüber der somatischen oder psychischen Erkrankung aufschließt, bzw. im Rahmen der von Frankl entwickelten Techniken der Paradoxen Intention, der Dereflexion und der Einstellungsänderung durch die Differenzierung von Symptom und Person dem Patienten einen Großteil seiner Selbstbestimmungsfähigkeit zurückgibt.

Der Mensch ist nicht nur frei, sondern in erster Linie frei auf etwas hin. Seine Gestaltungsfähigkeit sucht nach Ausdrucksmöglichkeiten in sich und der Welt. Logotherapie und Existenzanalyse betrachten die Suche nach Sinn als Grundmotivation des Menschen. Kann der Mensch seinen „Willen zum Sinn“ in der Lebenspraxis nicht zur Geltung bringen, so entstehen bedrückende Sinn- und Wertlosigkeitsgefühle. Die existentielle Frustrierung des Sinnbedürfnisses kann zu Aggressionen, Sucht, Depressionen, Verzweiflung und Lebensmüdigkeit führen und auch psychosomatische Krankheiten und neurotische Störungen auslösen oder verstärken.

Die Logotherapie/Existenzanalyse hilft dem Patienten, Hemmungen und Blockaden, die ihn im Prozess seiner Sinnsuche behindern, zu erkennen, aufzuheben oder zu bewältigen. Sie sensibilisiert ihn für die Wahrnehmung von Sinnmöglichkeiten; dabei macht sie dem Menschen keine Sinnangebote; sie unterstützt ihn vielmehr bei der Verwirklichung der von ihm selbst entdeckten Sinnmöglichkeiten.

Die Logotherapie/Existenzanalyse ist von dem Gedanken getragen, dass Sinn eine Wirklichkeit in der Welt ist und nicht nur im Auge des Betrachters liegt. Darin unterscheidet sie sich von den sogenannten „Occupational and Recreational Therapies“, denen es in erster Linie daran gelegen ist, den Patienten von gestörten oder störenden Erlebnisweisen abzulenken. Vielmehr sieht die Logotherapie/Existenzanalyse den Menschen durch seine Willensfreiheit und Verantwortungsfähigkeit aufgerufen, das Bestmögliche in sich und der Welt zur Geltung zu bringen, indem er in jeder Situation den Sinn des Augenblicks erkennt und verwirklicht. Wesentlich ist hier auch, dass das Sinnangebot des Augenblicks, obwohl objektiv gegeben, situations- und personengebunden ist und als solches einem fortwährenden Wandel unterliegt. Die Logotherapie/Existenzanalyse offeriert daher keinen allgemeinen Lebenssinn, sondern verhilft dem Patienten zu jener Offenheit und Flexibilität, die Voraussetzung für eine sinnvolle Gestaltung seines Alltags ist. Denn in jeder Situation warten auf jeden Menschen jeweils andere Sinnmöglichkeiten darauf, von ihm erkannt und verwirklicht zu werden.

V. Frankls herausragende Leistung besteht nicht zuletzt darin, dass er den Begriff SINN in konkreten Fragen und Antworten, vor allem aber in konkreten Handlungen deutlich gemacht hat. Mit seiner Formulierung Sinn- Erfüllung ist Werte-Verwirklichung, wird klar, das SINN nicht nur etwas Denkbares ist, sondern auch etwas Praktizierbares ist, etwas das man nicht nur erleben, sondern auch aktiv gestalten kann und muß.“

Ohne Werte ist alles nicht!

Die Essenz schlechthin der von Viktor E. Frankl begründeten Logotheorie oder Werte- & Sinnlehre ist, das der Mensch als ein primär vom “Willen zum Sinn” motiviertes Wesen betrachtet wird. Er strebt also danach, Sinn zu verwirklichen, was er jedoch nur tun kann, wenn der Mensch einen Wert findet, dessen Verwirklichung ihm auch sinn-voll erscheint. Frankl beschreibt Werte als Sinnuniveralien, d.h. das Werte sinnvolle Möglichkeiten für den Menschen sind, um zu einem sinnerfüllten Leben zu gelangen (Sinnfindungsmöglichkeiten).

 

Ein Mensch der also auf der Suche nach mehr Sinn im Leben und/oder der Arbeit fahndet, kann dies am einfachsten über den Weg einer persönlichen individuellen Werte-System-Analyse realisieren. Das Aufspüren von Werten (“der persönliche Fingerabdruck”) steht hier im Mittelpunkt. Frankl nennt es “Wertfühlen”, “Wertspüren” oder ich nenne es auch “Wertdenken”. Die Erfassung von Werten kann erfolgen – je nach Wahrnehmungstyp – rational oder emotional. Ziel ist es den aktuellen Motivationsstatus (Status der Lebensgrundspannung) zu ermitteln bzw. die Intaktheit des Gewissens zu überprüfen. Des weiteren gilt es zu  überprüfen, welche Struktur das eigene Werte-System aufweist.

Berühmte Zitate von Viktor Frankl

Primärliteratur von Viktor E. Frankl

Anmerkung:

Seine mehr als 40 Bücher sind bisher (2019) in über 50 Sprachen erschienen. Von einem einzigen unter diesen Büchern, “Man’s Search for Meaning”, sind bis heute weit über 12 Millionen Exemplare erschienen. Laut Library of Congress (Washington) ist es “one of the ten most influential books in America”. Und die Leser der japanischen Tageszeitung “Yomiuri Shimbun” wählten “Man’s Search for Meaning” als “one of the ten books to be passed to the twenty-first century” (Yomiuri Shimbun, Tokyo, 2000/11/30). Auf deutsch ist das Buch erhältlich unter dem Titel “… trotzdem Ja zum Leben sagen (Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager)”. 

Sekundärliteratur von/über Viktor E. Frankl

Links zu Viktor Frankl

Viktor Frankl INSTITUT in Wien

Viktor Frankl ZENTRUM in Wien

Viktor Frankl MUSEUM in Wien

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Ich hoffe, das es mir gelungen ist, Ihnen diesen motivationstheoretischen Ansatz etwas schmackhafter gemacht zu haben.